Synthetische Urteil A Priori Beispiel Essay

Inhalt

1. Einleitung

2. Einführung der Begriffe a priori und a posteriori

3. Analytische und synthetische Urteile

4. Synthetische Urteile a priori

5. Die transzendentale Ästhetik

6. Die transzendentale Analytik (Logik)

7. Die Deduktion der reinen Verstandesbegriffe

8. Die transzendentale Urteilskraft

9. Die transzendentale Dialektik

10. Literaturhinweise

Die Kantsche Erkenntnistheorie

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

(Gemälde aus dem Dresdener Kunsthande ca 1790, von Unbekannt)

„Dass alle unsere Erkenntnis mit der Erfahrung anfange, daran ist gar kein Zweifel; denn wodurch sollte das Erkenntnisvermögen sonst zur Ausübung erweckt werden, geschähe es nicht durch Gegenstände, die unsere Sinne rühren und teils von selbst Vorstellungen bewirken, teils unsere Verstandestätigkeit in Bewegung bringen, diese zu vergleichen, sie zu verknüpfen oder zu trennen, und so den rohen Stoff sinnlicher Eindrücke zu einer Erkenntnis der Gegenstände zu verarbeiten, die Erfahrung heißt?“ (K.d.r.V. S38/B1)

Eine kleine Vorrede

Leider gelang es uns nicht eine verständliche, kurze und trotzdem in sich schlüssige Zusammenfassung dieses imensen Themas darzulegen. Deshalb möchten wir darauf aufmerksam machen, das weiterhin viele Fragen zu dem Thema offen bleiben werden. Auch werden wir uns öfters wiederholen, manche Dinge am Anfang erwähnen und später deutlicher darauf eingehen. Uns schien dies als die beste Strukturierung um jemanden auf einfache Art die Grundgedanken Kants Kritik der reinen Vernunft zu erläutern. Viel Spaß beim lesen.

Einleitung

Immanuel Kant wurde am 22,April, 1724 in Königsberg (heute Kalinigrat) geboren. Er führte als Professor ein eher unspektakuläres Leben. Er verreiste nie, publizierte in regelmäßigen Abständen Aufsätze bzw. Bücher und verbrachte seine Freizeit mit Billiard spielen und regelmäßigen Spaziergängen. So regelmäßig, dass die Bewohner Königsbergs ihre Uhren danach stellten. Auch heiratete er nie, war soweit bekannt niemals krank und hatte auch kein Haustier. Diese Konstanz seines Lebensrythmuses wurde unterbrochen, als er Rousseaus Werk „Emile, oder Über die Erziehung“ in die Hände bekam. Dies Führte dazu, dass er fast eine Woche zu Hause blieb und sich dadurch jede menge Menschen verspäteten.

Um zu verstehen, warum ihn dieses Werk Rousseaus so aus dem Rhythmus brachten, muss man die Philosophischen Denkweisen dieser Zeit betrachten. Die vorherrschende Philosophie war der Rationalismus, eine Vernunftsphilosophie in der Methode dogmatisch, also ohne die Prüfung ob uns die Vernunft unabhängig von der Erfahrung Gewissheit liefern kann. Anhänger bzw. Begründer des Rationalismus waren Descartes wie auch Leibniz und Wolf (Leibniz-Wolfsche Denkschema). Auch sollte man an dieser Stelle die Metaphysik erwähnen, eine über jegliche Erfahrung hinausgehende Wissenschaft, also vom Übersinnlichen ist, welche Kant sehr interessierte.

Nun kam um 1760 rum, im Zuge der Aufklärung eine neue Philosophische Richtung auf, der Empirismus. Seine wichtigsten Vertreter waren Locke, Hume wie auch Rousseau. Diese äußerten den Grundgedanken, dass allein durch die äußeren Sinne wie durch die Inneren in Form von einer Selbstbeobachteten Tätigkeit des Bewußtseins, Erfahrung gewonnen werden kann. Locke“ Es ist nichts im Verstande, was nicht vorher in den Sinnen war.“(Störig S331) „Für einen solchen Empirismus ist Metaphysik, im Sinne einer Wissenschaft vom Übersinnlichen, unmöglich, da eben für das Übersinnliche die Erfahrung keine Grundlage bietet. Dies weckte Ihn aus seinem „dogmatischen Schlummer“.“ (ebda S.331)

Ich will in aller Kürze die wichtigsten Unterschiede dieser beiden Philosophischen Richtungen gegenüberstellen:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Da Kant wie oben schon erwähnt ein großer Anhänger der Metaphysik war und er diese auch die „Wissenschaft von den Grenzen der Menschlichen Vernunft“ nannte, beschloss er das Problem bei genau diesen Grenzen anzugehen und sie zu bestimmen.

1770 erschien sein vorerst letzter Aufsatz: “über die Formen und Prinzipien der sinnlichen und intelligenten Welt“ und es dauerte ganze elf Jahre bis 1781 die „Kritik der reinen Vernunft“ erschien, welcher wir uns widmen wollen.

Die Einleitung Kants „Kritik der Reinen Vernunft“ Beginnt mit den Worten:

„Dass alle unsere Erkenntnis mit der Erfahrung anfange, daran ist gar kein Zweifel “(K.d.r.V. S.38/B1.) Mit dem Begriff Erfahrung ist in diesem Sinne Erkenntnis durch verknüpfte Wahrnehmung gemeint:

Gegenstände rühren unsere Sinne, diese bewegen unsere Vorstellung, welche den rohen Stoff der Eindrücke verknüpft, trennt, usw. und ihn schließlich zur Erkenntnis der Gegenstände formt. Rein zeitlich gesehen sind erst die Erfahrung und dann die Erkenntnis. Dies wirft die Frage auf, ob es Erkenntnis unabhängig von der Erfahrung gibt, da die Erfahrung ja schon selbst etwas zusammengesetztes der Eindrücke sein kann, was unser Verstand von selbst hervorbringt, also das Erkenntnisvermögen aus sich selbst hergibt.

Einführung der Begriffe a priori und a posteriori

Es stellt sich nun die Frage: “Gibt es Erkenntnis vor aller Erfahrung?“ Also Erkenntnis a priori (von vornherein), welcher die empirische Erkenntnis a posteriori (im Nachhinein →aus Erfahrung) gegenübersteht.

Eine Aussage a priori wäre: „jede Veränderung hat eine Ursache“. Diese Aussage ist notwendig und untersteht einer strengen Allgemeinheit. Nach Hume ist dies wie schon erwähnt ein Produkt der Gewöhnung, worauf Kant einwendet, dass dies nicht aus der Erfahrung stammen kann, da Erfahrung nie strenge Allgemeinheit ergeben und auch keine strenge Allgemeinheit verleihen kann, da die empirische Allgemeinheit nur eine willkürliche Steigerung der Gültigkeit ist. Auch kann man einen Begriff a priori ganz leicht aufzeigen. Nimmt man den Begriff Körper und nun versucht man alles wegzulassen was Diesen ausmacht, alle sinnlichen Eindrücke so bleibt am Ende doch noch der Raum übrig welchen der Körper ausfüllt und diesen kann man nicht weglassen, da das Gehirn in der räumlichen Form a priori denkt.

Analytische und synthetische Urteile

Als erstes sei der Begriff Urteil nach Kant erläutert: „Ein Urteil ist die logische Verbindung des Subjekts mit dem Prädikat.“

Ein analytisches Urteil wäre: Die Kugel ist rund. Das Adjektiv rund ist bereits in dem Begriff Kugel enthalten. Analytisch bedeutet soviel wie auflösend, zergliedernd. Ein synthetisches Urteil wäre: Die Kugel ist golden. Das Merkmal golden kann nur aus den sinnlichen Eindrücken stammen. Synthetisch bedeutet soviel wie verbindend, zusammengesetzt.

Hiernach vermitteln uns analytische Urteile keine Erkenntnis, sie sagen nur etwas aus was wir schon im vornherein wussten und sind daher a priori (Bsp.: Der Schimmel ist weiß, Körper sind ausgedehnt). Synthetische Urteile vermitteln uns Erkenntnis, also etwas was nicht schon wussten, beziehungsweise im Begriff enthalten ist. Daher sind sie a posteriori (Bsp.: Alle Körper sind schwer). Gäbe es nun nur synthetische Urteile a posteriori, wäre die Frage nach der Metaphysik hinfällig, da deren Urteile uns Erkenntnis bringen und gleichzeitig erfahrungsfrei sind. Also stellt sich die Frage unter welcher Bedingung synthetische Urteile a priori möglich sind, oder um es in den drei Grundfragen Kants K.d.r.V. zu formulieren.“ Wie ist reine Mathematik möglich? Wie ist reine Naturwissenschaft möglich?“ ( K.d.r.V. S.52/B20) und „Wie ist Metaphysik als Naturanlage möglich?“ (K.d.r.V. S.53/B22) „Rein heißt eine Erkenntnis a priori, wenn ihr gar nichts empirischer beigemischt ist“(Störig S.334)

Hier noch eine Übersicht der möglichen Urteile:

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synthetische Urteile a priori

„Die eigentliche Aufgabe der reinen Vernunft ist in der Frage enthalten wie sind synthetische Urteile a priori möglich?“( K.d.r.V. S.51/B19)

Kommen wir zu Kants erster Grundfrage: Wie ist reine Mathematik möglich?

Nehmen wir die Aussage: 5 + 7 = 12 diese ist a priori da sie streng notwendig und streng algemeingültig ist. Auch ist sie nicht analytisch, da in dem Begriff der Zwölf die Summe aus sieben und fünf keineswegs enthalten ist. Man muss die Anschauung zur Hilfe nehmen und zählen. Dies ist nur möglich wenn es erfahrungsfreie Anschauung gibt. Also muss ich eine Anschauung von Fünf und Sieben machen indem ich im Geiste fünf Punkte zu Sieben hinzunehme. Dafür benötige ich eine Vorstellung von Zeit, da ich beim zählen die Punkte in der Zeit aneinanderreihe.

Auch in der Geometrie komme ich nicht ohne erfahrungsfreie Anschauung aus. Nehme ich die Aussage: Eine Gerade ist die kürzeste Verbindung zweier Punkte, so benötige ich die Anschauungsform des Raumes um die einzelnen Punkte der Geraden aneinanderzureihen.

Somit sind Raum und Zeit Begriffe die der Anschauung entstammen aber trotzdem a priori sind. Dem muss man hinzufügen, dass durch die heutige Logik(Roussell: “Principia Mathematica“)die Mathematik rein logisch begründet ist und somit auch rein analytisch.

„Kant kommt zu dem Schluss, dass die reine Vernunft eben Diejenige ist, welche die Prinzipien etwas a priori zu erkennen in sich enthält.“(Störig S.336)

Die transzendentale Ästhetik

Mit dem Begriff transzendental verbindet Kant alle Erkenntnis „die nicht sowohl mit Gegenständen, sondern mit unserer Erkenntnisart von Gegenständen, so fern diese a priori möglich sein sollen, überhaupt beschäftigt.“( K.d.r.V. S.55/B25)Welche also jeglicher Erfahrung vorausliegend, sie erst ermöglichend ist. Hierbei unterscheidet er zwei Quellen menschlicher Erkenntnis. Einerseits den Verstand welcher durch Logik und Vernunft zu Erkenntnis gelangt und der sinnlichen Wahrnehmung, der Ästhetik (Lehre vom sinnlichen Empfinden.

„Sinnlichkeit ist das in uns liegende Vermögen, von etwas, das von außen auf uns einwirkt, beeindruckt (affiziert) zu werden.“(Störig S.336) Allein die Sinne liefern uns Anschauungen, das heißt unmittelbare Vorstellung von den Gegenständen. Kant erläutert dies an dem Beispiel einer Rose. Unsere Sinne liefern uns Empfindungen wie die rote Farbe, ihren Duft; das stachelige, usw. Es gibt aber nun etwas im Verstande, was diese Sinneseindrücke ordnet und zwar nach Raum und Zeit, wie schon am Beispiel der Mathematik erläutert. Diese Anschauungsformen können also nicht aus der Empfindung stammen.

Wollen wir noch einmal näher auf diese zwei Anschauungsformen eingehen. Man kann nicht von der Ausgedehntheit im Raum absehen, da diese nicht an den Gegenständen selbst haftet, sondern wir, also unser Verstand, die Raumvorstellung an die Dinge heranträgt. Der Sinnesapparat des Menschen ist so organisiert, dass die Dinge im Raum nebeneinander erscheinen müssen. Unsere Sinne liefern uns nur Empfindungen, aber was wirkt auf sie ein? Dies ist die Grenze unserer der Sinneswahrnehmung, von dem was hinter der Erscheinung steht, dem „Ding an sich“ können wir nichts wissen. Der Raum hingegen besitzt empirische Realität, also eine Objektive Gültigkeit und hat somit transzendentale Idealität. Er ist die reine a priorische Anschauungsform unserer äußeren Sinne.

Wie der Raum so ist uns auch die Zeit als reine a priorische Anschauungsform unser inneren Sinne gegeben. Der Anschauung unserer selbst, unseren Gemütszuständen, welche so unterschiedlich sie auch sein mögen immer in der Zeit verlaufen. Ohne Zeit wäre somit keine Erfahrung unserer Gemütszustände möglich. Die Zeit ist streng notwendig und streng allgemein und ist die reine, a priorische Form unserer inneren Anschauung. Aber nicht nur innere Erscheinungen, sondern auch Äußere stehen notwendigerweise in Verhältnis mit der Zeit. Sie besitzt empirische Realität also absolute Gültigkeit und schlussendlich wie der Raum transzendentale Idealität.

Die transzendentale Analytik (Logik)

„Wie kommt nun Erkenntnis zustande?

Es ist nichts im Verstande, hat Locke gesagt, was nicht vorher in den Sinnen war. Richtig, hatte Leibniz hinzugefügt, ausgenommen dem Verstande selbst.“(Ebda S.338)

Begriffe können sich nur auf Gegenstände beziehen, die uns durch Anschauung gegeben sind. Das heißt der Verstand, das Vermögen von Erkenntnissen und Regeln, beinhaltet die Begriffe (Kategorien) und ist immer auf die Sinnlichkeit angewiesen um anschauliches Material zu haben. Aber auch die Sinnlichkeit ist auf den Verstand angewiesen um wahrnehmen zu können. Kurz gesagt die Sinnlichkeit liefert Empfindungen, welche nach Raum und Zeit geordnet sind, und der Verstand formt diesen Rohstoff zu Begriffen um und verbindet diese zu Urteilen. Diese verknüpfende Tätigkeit bezeichnet Kant als Logik.

Nun kommt die Frage Kants nach dem Sinn von Erkennen welche das Hauptthema der transzendentalen Logik bildet. „Wie geht es zu, dass unser Verstand Begriffe bilden kann, die sich auf einen bestimmten Gegenstand beziehen und mit ihm übereinstimmen? (denn das ist der Sinn von Erkennen)“(Ebda S.339)

Jeder Begriff kommt durch das durch Anschauung gelieferte empirische Element und der formenden Tätigkeit des Verstandes zustande. Man könnte nun beliebige Begriffe nehmen und versuchen beide Elemente zu isolieren. Der Nachteil der entstünde wäre, dass keine vollständige und systematische Übersicht über die ursprünglichen verknüpfenden Verstandeshandlungen erreichbar wären und man keine „reinen Verstandesbegriffe“ erhält. Nach Aristoteles ist die verknüpfende Tätigkeit des Verstandes, also die Logik schon in ihren Grundformen dargelegt. „Jede Begriffsbildung ist aber ein Urteilen. Denn Urteilen heißt schließlich Inhalte oder Merkmale verknüpfen, und das tun wir auch, wenn wir Begriffe bilden.“(Ebda S.340) Also müssen die Formen der Begriffsbildung gleich den Formen der Urteilsbildung sein. Somit haben wir die Urteilstafel als Grundformen des Denkens und brauchen nur die dazugehörigen Begriffe zu suchen. So kommt Kant zu seiner Tafel der Kategorien. Diese Tafeln sind folgend aufgeführt und seien durch ein Beispiel kurz erläutert. Wir haben ein bejahendes Urteil da eine Wirklichkeit existiert und wir haben ein verneinendes Urteil da Nichtwirklichkeit existiert. Ein bejahendes Urteil wäre: Die Rose ist rot (Wirklichkeit), ein Verneinendes: Die Rose ist nicht rot (Nichtwirklichkeit).

Tafel der Urteilsformen:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tafel der Kategorien:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Wie entsteht nun der Begriff eines Gegenstandes?

Einerseits haben wir empirische Begriffe, welche aus der Empfindung herrühren und mit Hilfe der Anschauungen in Raum und Zeit, verknüpft mit den Kategorien, also aus anschaulichem Material gebildet werden. Des Weiteren gibt es reine Begriffe, welche aus den bloßen Formen der Sinnlichkeit, geordnet nach Raum und Zeit, und dem Verstand, den Kategorien, gebildet werden. „Auf die systematische Aufsuchung und Zusammenstellung dieser möglichen Begriffe lässt sich Kant nicht weiter ein.“(Ebda S.342)

Die Deduktion der reinen Verstandesbegriffe

Wie ist es möglich, dass die Kategorien, welche ja a priori sind, also vor aller Erfahrung im Verstande liegen, sich auf Gegenstände der Erfahrung beziehen können – so dass ich, eben mit Hilfe dieser a priorischen Formen Gegenstände erkennen kann?(Ebda S.342)

Betrachten wir einmal das Kausalitätsprinzip. Nach Locke erkennen wir die Kraft die zwischen den Dingen wirksam ist. Nach Hume, der eher ein Skeptiker war, können wir die kausale Verknüpfung nicht wahrnehmen, sondern nur das Aufeinanderfolgen der Geschehnisse. Somit besitzt es für Hume keinen objektive Gültigkeit und er erklärt es durch das Gewohnheitsrecht. Kant hingegen folgert, dass das Kausalitätsprinzip nicht aus der Wahrnehmung stammen kann sondern aus dem Verstande komme. Da die Erfahrung so zustande komme, dass der Verstand in den von Sinnen gelieferten Rohstoff seinen Denkformen einprägt, so ist ganz klar, „dass wir diese Denkformen in aller Erfahrung wieder antreffen müssen.“ (K.d.r.V. S.193/B171) Kurz gesagt kommt alle Erfahrung erst durch die formende Tätigkeit des Verstandes mittels der Kategorien zustande.

Die transzendentale Urteilskraft

Woher weiß nun der Verstand welche der zwölf Kategorien er anzuwenden hat?

„Wenn der Verstand überhaupt als das Vermögen von Regeln erklärt wird, so ist die Urteilskraft, das Vermögen, unter Regeln zu subsumieren, d.h. Zu unterscheiden, ob etwas unter einer gegebenen Regel (...) stehe, oder nicht.“ (Ebda S.196/B176)

Also ist die Urteilskraft das Verbindungsglied zwischen den Kategorien und dem Stoff, den sie formen bzw. ordnen soll. Da alles Mannigfaltige der Zeit unterliegt entspricht auch jeder Kategorie ein zeitliches Schema. Dies nennt er den „Schematismus des reinen Verstandesbegriffes“ (Ebda S.339/B356)

So will ich zur zweiten Grundfrage der K.d.r.V. kommen: “Wie ist reine Naturwissenschaft möglich?“ Diese Frage ist nun eigentlich schon beantwortet. Da unser Denken die Natur so wie wir sie wahrnehmen erschafft, richtet sich nicht unsere Erkenntnis nach den Gegenständen, sondern die Gegenstände nach der Erkenntnis. Somit ist der Mensch der Gesetzgeber der Natur. Dies kann man als eine Kopernikanische Wende der Philosophie bezeichnen.

Die transzendentale Dialektik

Die transzendentalen Dialektik teilt Kant in die „Begriffe der reinen Vernunft“ (Ebda S.347/B366).und die „Paralogismen der reinen Vernunft“(Ebda S.370/B399) auf. Wir wollen uns hier ersterem widmen. Um diese Begriffe zu erschließen reicht der Bereich der Wissenschaft von geordneter Erkenntnis, also von strenger Notwendigkeit und strenger Allgemeinheit nicht mehr aus. Sie zeigt uns, dass wir auf die „Welt der Erscheinungen beschränkt sind.“(Störig S.343) Doch jeder kennt den Drang darüber hinauszugehen. Was ist die Welt, was ist die Seele, was ist Gott, usw...? Wie verhält sich unsere Vernunft zu diesen Fragen? Und gibt es einen Trieb im Menschen auf das ewig Unerfüllbare? „Diesen Fragen tritt Kant in der transzendentalen Dialektik näher. Er tritt ihnen wirklich nur näher er beantwortet sie nichterschöpfend, - denn das ginge über den Bereich der theoretischen Vernunft hinaus.“(Ebda S.344)

„Wir erklärten im ersten Teil unserer transzendentale Logik, den Verstand durch das Vermögen der Regeln; hier unterscheiden wir die Vernunft von demselben dadurch, dass wir sie das Vermögen der Prinzipien nennen wollen.“ (K.d.r.V. S.339/B356), oder auch das „Vermögen der Ideen“ (Störig S. 344), also unsere Geistes und Gemütskräfte, abgegrenzt zu Verstand und Sinnlichkeit. Dieses bildet ein höheres Stockwerk, das Vermögen zu schließen.

Der Verstand bildet Begriffe und verknüpft sie zu Urteilen. Die Vernunft verbindet diese Urteile nun zu Schlüssen. Dies kann man als eine vereinheitlichende Tätigkeit ansehen welche versucht eine vollkommene Einheit zu schaffen. Das Streben nach dem Unbedingten. Geleitet wird es durch die Ideen, die leitenden Vernunftsbegriffe. Kurz gesagt leitet die Vernunft den Verstand, welcher die Sinnlichkeit erleuchtet indem er die Begriffe verständlich macht. Wichtig dabei ist, dass die Vernunft dem Verstand nur Regeln gibt nach denen er verfahren soll, nicht muss.

Kant unterscheidet nun drei Arten der Verknüpfung, also der Relationen von Urteilen.

Als erstes die psychologische Idee, die Idee von der Seele. Diese beschreibt er als eine kategorische Art der Verknüpfung, einer Unbedingten, allen Vorstellungen zugrunde liegenden Einheit des denkenden Subjekts.

Zweitens die kosmologische Idee, die Idee von der Welt. Diese beschreibt er als eine hypothetische Art der Verknüpfung, einer Bedingten. Also einer endlosen Reihe von bedingten Erscheinungen durch welche man zu einer unbedingten Einheit all dieser komme.

Drittens der theologischen Idee, die Idee von Gott. Diese beschreibt er als eine disjunktive also ausschließende Art der Verknüpfung, welche der Idee einer unbedingten Einheit aller Gegenstände des Denkens entspringt. Also einem höheren Wesen.

Wichtig erscheint mir an dieser Stelle noch einmal zu betonen das dies alles nur Soll Vorschriften sind. Diese drei Ideen kurz gefasst:„Die Idee der Seele sagt mir; Du sollst alle psychischen Erscheinungen so verknüpfen, als ob ihnen eine Einheit der Seele zugrund läge. Die Idee der Welt: Du sollst die Reihe der bedingten Erscheinungen so verbinden, also ob ihnen eine unbedingte Einheit der Welt zugrund läge. Die Idee Gottes; Du sollst so denken, als ob es zu allem, was existiert, eine erste notwendige Ursache, dem Göttlichem Schöpfer, gebe. Auf diesen drei Wegen sollst du suche eine systematische Einheit in das Ganze deiner Erkenntnis zu bringen.“(Störig S. 345/vgl. Döring S.99)

Diese Ideen entspringen keineswegs der Erfahrung, sie entspringen nur der Welt des Denkens. Kant hat uns gezeigt wo die Grenzen unserer (theoretischen) Vernunft liegen. (Störig S.345/346.)

Ich will mit einem schönen Zitat Kants schließen: „ Ich musste also das Wissen aufheben um zum Glauben Platz zu bekommen.“(Kant K.d.rV. Vorrede zur zweiten Auflage)

Literaturhinweise:

Hans. J. Störig: Kleine Weltgeschichte der Philosophie, Stuttgart 1950

Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft, Würzburg 1967

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Inhalt

Einleitung

1. Urteile a posteriori / a priori

2. Analytische und synthetische Urteile

3. Die vier Urteilsarten

4. Einwände

5. Schluss

6. Literaturverzeichnis:

Einleitung

Immanuel Kant (1724-1804) gilt als Begründer des deutschen Idealismus. Kernstück seines Hauptwerks „Kritik der reinen Vernunft“ ist die sog. Kopernikanische Wende der Metaphysik[1], in welcher er die scheinbar unvereinbaren Positionen von Realismus und Idealismus in Einklang bringt. Auf eine Formel gebracht besagt die kopernikanische Wende, dass sich nicht die Erkenntnis nach den Gegenständen, sondern dass sich die Gegenstände nach der Erkenntnis richten. Gegenstand der Kritik der reinen Vernunft ist somit eine kritische Untersuchung des menschlichen Erkenntnisvermögens. Diese Untersuchung stellte Kant vereinfacht in seiner „Prolegomena zu einer jeden künftigen Metaphysik“ dar.

Der Zweck von Kants Prolegomena ist eine Einführung sowie eine verständliche Kurzfassung seiner Schrift „Kritik der reinen Vernunft“. Daher ist der zentrale Problembereich der beiden Schriften derselbe und zwar thematisiert dieser die Frage: Wie sind synthetische Urteile a priori möglich? Somit besteht die Funktion der Prolegomena in der Erläuterung von Kants Metaphysikkritik. Ich werde zu Beginn die in diesem Zusammenhang wichtigen Begrifflichkeiten klären, um diese anschließend vor dem Hintergrund von Kants Darstellung zu erläutern. Die Erläuterung dieser Arbeit wird über leichter verständliche Begriffe zu weniger leicht verständlichen Begriffen fortschreiten. Daher ist es sinnvoll, den Begriff des aposteriorischen vor dem des apriorischen sowie den des analytischen vor dem des synthetischen Urteils zu erläutern. Zentraler Gegenstand dieser Arbeit ist somit die Beschreibung von synthetischen und analytischen Urteilen sowie von Urteilen a priori und a posteriori. Die sich aus der Kombination von apriorischen und aposteriorischen mit synthetischen und analytischen Urteilen ergebenden Urteilsarten[2] stellen ebenso einen wichtigen Bestandteil dieser Arbeit dar. Abschließend werde ich im Rahmen dieses Themengebietes auftauchende Probleme behandeln. Arbeitsgrundlage dieser Hausarbeit ist die Ausgabe des Meiner-Verlags der „Prolegomena zu einer jeden künftigen Metaphysik“, wobei sich die Zitation auf die Seitenangabe der Akademieausgabe IV (AA IV) von Kants gesammelten Werken bezieht.

1. Urteile a posteriori / a priori

„Es gibt (…) Urteile a posteriori, deren Ursprung empirisch ist“ (AA IV, 267).

Empirische Urteile sind Aussagen, deren Wahrheit oder Falschheit sich hinsichtlich der Wahrnehmung erst hinterher, im Nachhinein erweisen lässt (Vgl. Tetens, 2006: 24). Man muss also erst einen Gegenstand wahrnehmen, um über die Wahrheit oder Falschheit einer den Gegenstand betreffenden Aussage urteilen zu können. Wenn also der Inhalt dieser Aussagen seinen Ursprung in den wahrnehmbaren Gegenständen der sinnlichen Welt hat, so erhebt erst die Erfahrung – nachdem sie gemacht wurde – diese Inhalte zu einem Gegenstand der Erkenntnis. Somit sind Urteile a posteriori erfahrungsabhängige Aussagen, die von den Tatsachen der Außenwelt abhängen.

Ein Beispiel für ein Urteil a posteriori ist nach Kant der Satz: „Einige Körper sind schwer“ (AA IV, 266). Man muss die Schwere der Körper erst erfahren, indem man sie z.B. hebt oder wiegt, um zu erkennen, dass sie schwer sind. Im Anschluss daran kann man die Aussage oder das Urteil treffen, dass die Körper schwer sind. Hieran wird deutlich, dass der Begründungsanspruch aposteriorischer Urteile in der Erfahrung zu suchen ist.

Wenn man die erfahrungsabhängigen Urteile a posteriori erkenntnistheoretisch vor der Folie der Ontogenese (Entwicklungsgeschichte des einzelnen Menschen) betrachtet, dann stellt man fest, dass das erkenntnistheoretische Wissensdepot eines jeden Menschen mit dieser Art von Erkenntnissen – Urteilen a posteriori – beginnen muss sich zu füllen. Kinder müssen ihre Umwelt erst einmal wahrnehmen, um sich in ihr zu recht zu finden, da nach Kant

unsere gesamte Erkenntnis unzweifelhaft mit Erfahrung beginnt (Vgl. AA III, B1).

Nach Kant kann die Metaphysik nicht empirisch sein und deswegen muss die Metaphysik „lauter Urteile a priori enthalten“ (Vgl. AA IV, 265; Vgl. AA IV, 266). Der Begriff „a priori“ bedeutet im erkenntnistheoretischen Kontext sinnvolle Aussagen, die im Vornherein – vor jeder Wahrnehmung – getroffen werden und aufgrund dessen können diese Aussagen auch vor jeder Wahrnehmung als wahr oder falsch eingesehen werden (Vgl. Tetens, 2006: 24). Wenn nun der Inhalt dieser Aussagen seinen Ursprung nicht im sinnlichen, erfahrungsabhängigen Wahrnehmungsapparat hat, dann muss er seinen Ursprung in etwas anderem finden, das dem Menschen eigen ist und dieses Vermögen ist die Vernunft.

Metaphysische Erkenntnis ist somit Erkenntnis aus reiner Vernunft oder reinem Verstande[3] (Vgl. AA IV, 266). Erkenntnisse a priori sind also Vernunfterkenntnisse oder in Kants Terminologie: Urteile der Vernunft. Hieraus folgt jedoch nicht, dass in Urteilen a priori keine empirischen Begriffe vorkommen dürfen, denn empirische Begriffe können sehr wohl Bestandteile von a priori Urteilen sein (Vgl. AA IV, 267). Allerdings lassen sich Urteile a priori unabhängig von Erfahrung begründen oder rechtfertigen. Es muss also bei der Rechtfertigung oder Widerlegung dieser Urteilsart nicht auf Tatsachen zurückgegriffen werden, man kann sie unabhängig von Tatsachen mit Vernunft begründen und deswegen auch mit dem Verstand einsehen.

Als Beispiel für Urteile a priori führt Kant Sätze der Mathematik an: „Zuvörderst muß bemerkt werden: daß eigentliche mathematische Sätze jederzeit Urteile a priori und nicht empirisch sind, weil sie Notwendigkeit bei sich führen, welche aus Erfahrung nicht abgenommen werden kann“ (AA IV, 271). Diesem Zitat ist ein weiteres Merkmal von Urteilen a priori zu entnehmen und zwar das der Notwendigkeit.

Die Bedeutung apriorischer Urteile für die Metaphysik ist nun fundamental: Weil sich die Metaphysik mit den Bedingungen der Möglichkeit von Erkenntnis beschäftigt, so kann Erfahrung selbst – also a posteriorische Erkenntnis – im metaphysischen Bereich keinen Erkenntnisgewinn bringen, da ja gerade die Bedingungen apriorischer Erkenntnis untersucht werden sollen und dies mit aposteriorischen Urteilen ein sinnloses Vorhaben wäre. Dies bedeutet nun, dass Urteile a priori der Gegenstand der Metaphysik sind.

Die Notwendigkeit apriorischer Urteile gilt nicht nur für ein Subjekt, sondern für das erkennende Subjekt[4]. Folglich ist nicht nur die Notwendigkeit ein Merkmal des a priori, sondern darüber hinaus auch noch die Allgemeingültigkeit[5] und deswegen ist mit Höffe zu sagen: „Da die Erfahrung nur Tatbestände, aber weder die Unmöglichkeit des Andersseinkönnens noch die Unmöglichkeit einer Ausnahme belegt, sind die unbeschränkte Allgemeinheit und die strenge Notwendigkeit tatsächlich die Kennzeichen des reinen Apriori.“ (Höffe, 1988: 56).

[...]



[1] Metaphysik bedeutet hier grob: Wissenschaft von den grundlegenden Strukturen der Realität. Genauer ausgedrückt befasst sich diese Disziplin mit den Strukturen und Elementen möglicher Erfahrung.

[2] Unter Urteilsklassen - der zeitgenössischen Auffassung gemäß - werden in dieser Arbeit Urteile a priori / a posteriori sowie analytische und synthetische Urteile verstanden. Die sich aus der Variation der Urteilsklassen ergebenden Urteilsarten werden als Arten gefasst. „Eine Klasse, deren Mitgliedschaft in Unterklassen unterteilt ist (…) und die verschiedenen Unterklassen sind Arten.“ (Copi, 1998: 54).

[3] Zur in diesem Kontext relevanten Unterscheidung von Vernunft und Verstand: Vernunft ist das Vermögen dessen Funktion im Schließen und Folgern besteht. Ihr Vorstellungstyp sind Begriffe und sie operiert a priori mit Ideen. Der Verstand ist das Vermögen, dessen Funktion im Denken resp. Urteilen liegt. Sein Vorstellungstyp sind ebenfalls Begriffe und er operiert a priori mit Kategorien. Die Vernunft ist ein Teil des Verstandes.

[4] Kant versteht unter dem Begriff „erkennendes Subjekt“ ein jedes (auch mögliche) Subjekt, das zu (rationaler) Erkenntnis fähig ist und deshalb bedeutet der Terminus erkennendes Subjekt mindestens alle existierenden Subjekte (Menschen).

[5] Diese Stelle verleitet nur allzu leicht zu einem Missverständnis: Man könnte meinen, die Notwendigkeit und Allgemeingültigkeit apriorischer Urteile lassen alle Menschen zum selben Ergebnis in dieser Urteilsform kommen. Wäre das der Fall, dann wären alle Urteile der Metaphysik korrekt – exakt die gegenteilige Position vertritt Kant. Der Fehler, der diesem Missverständnis zugrunde liegt ist, dass Charaktere (Notwendigkeit und Allgemeingültigkeit) des Urteilsvollzuges mit den Charakteren apriorischer Urteile verwechselt werden oder zwischen ihnen nicht unterschieden wird. Es wird in diesem Missverständnis also nicht zwischen dem psychologischen Prozess des Vollzugs apriorischer Urteile und den Merkmalen unterschieden. Allgemeingültigkeit und Notwendigkeit sind nach Kant somit Merkmale des apriorischen Urteils selbst und nicht des psychologischen Prozesses des Vollzugs solcher Urteile (Vgl. Patzig, 1976: 20).

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